Bei rahm werden Prothesen gebaut

Wir bei rahm sind nicht nur ein Sanitätshaus. Neben der klassischen Versorgung von KundInnen mit Hilfsmitteln, versorgen unsere OrthopädiemechanikerInnen auch KundInnen nach einer Amputation mit individuell gefertigten Prothesen.

Unsere rahm VersorgungsmanagerInnen kümmern sich oft von Beginn an um Amputierte und begleiten sie über viele Jahre hinweg. In einem ersten Beratungsgespräch lernen sich KundIn und VersorgungsmanagerIn kennen. Dann ist eine der ersten Aufgaben der VersorgungsmanagerInnen die Herstellung eines Schafts für die betroffene Extremität. Wir erklären, wie das abläuft.

Was ist ein Prothesenschaft und wie entsteht er?

Ein Prothesenschaft ist ein Teil der Prothese und verbindet den Stumpf mit den sogenannten Funktionspassteilen. Die KundInnen ziehen ihre Prothese an, indem sie mit dem Stumpf in den Schaft steigen. Dabei gewährleisten unterschiedliche Haftungssysteme, dass der Schaft auch am Stumpf bleibt.

Wenn Sie eine Prothese benötigen, egal ob Oberschenkel- oder Unterschenkelprothese, eine Prothese für den Oberarm oder den Unterarm, benötigen Sie zunächst einen Probeschaft.

Dafür ist eine Oberflächenerfassung Ihres Stumpfes mit einem 3D-Scanner oder durch einen Gipsabdruck der erste Schritt auf dem Weg zu Ihrem Prothesenschaft. Zusätzlich zu der Oberflächenerfassung nehmen unsere VersorgungsmanagerInnen für die Herstellung Ihres Prothesenschafts auch Maße der betroffenen Extremität.

Außerdem wird hier bereits vermerkt, wie der Schafzuschnitt aussehen soll. Da jeder Mensch unterschiedliche körperliche Gegebenheiten hat, passen unsere OrthopädiemechanikerInnen den Schafzuschnitt für alle KundInnen individuell an.

Positivmodell aus Gips für die Prothese

Die Maße werden am Positivmodell überprüft.

Der Weg zum Probeschaft

Wenn von Ihrem Stumpf ein Scan angefertigt wurde, wird dieser am Computer auf Grundlage der angezeichneten Knochenstruktur und den im Termin ermittelten Maßen in eine Zweckform modelliert. Ist die Zweckform fertiggestellt, wird mit einer Fräse ein Positivmodell hergestellt. Sollte von Ihrem Stumpf ein Gipsabdruck gemacht worden sein, wird dieser ausgegossen, sodass auch hier eine Positivform entsteht.

Über dieses Positivmodell wird eine im Infrarotofen auf 160 Grad erhitzte PETG Platte „tiefgezogen“, das heißt mithilfe eines Vakuums passgenau an das Positivmodell gezogen.

Dann lassen unsere rahm OrthopädiemechanikerInnenden den tiefgezogenen Kunststoff abkühlen. Durch den Abkühlprozess wird das thermoplastische Material wieder hart. Wichtige Markierungen zum Schaftverlauf werden von dem Positivmodel auf den tiefgezogenen Probeschaft übertragen. Erst, wenn dies geschehen ist, kann das Positivmodell vom Probeschaft getrennt werden.

Ist das Positivmodell aus dem ausgehärteten Kunststoff entfernt, wird der Kunststoff anhand der eingezeichneten Zuschnittlinie für den Schaftverlauf beschliffen und in Form gebracht.

Nach dem Beschleifen wird der Probeschaft mithilfe eines Aufbaugeräts über eine spezielle Halterung mit den entsprechenden Prothesenpassteilen verbunden. Das geschieht in der Werkstatt. Dieser Prozess ist bis auf einige Parameter für alle KundInnen gleich.

Die thermoplastische Platte wird über das Positivmodell für den Prothesenschaft gezogen

Die thermoplastische Platte wird tiefgezogen.

Der Prothesenschaft wird beschliffen.

Der Probeschaft wird beschliffen.

Probeschaft mit Prothesenpassteilen

Prothesenpassteile und Prothesenschaft werden verbunden.

Anprobe des Probeschafts

Ist Ihr Probeschaft auf Ihre Prothesenpassteile aufgebaut, vereinbaren die VersorgungsmanagerInnen mit Ihnen einen Termin zur Anprobe.

Zuerst wird eine statische Anprobe durchgeführt, hier achten die VersorgungsmanagerInnen im Stand auf den Sitz des Probeschaftes und den Zuschnitt. Da der Probeschaft durchsichtig ist, können eventuelle Druckstellen schnell erkannt und behoben werden, bevor diese Schmerzen verursachen.

Änderungen können unsere rahm OrthopädiemechanikerInnen direkt vornehmen. Mithilfe eines Heißluftföhns können sie den thermoplastischen Probeschaft punktuell erhitzen und potenzielle Druckstellen entfernen. Zudem kann durch das punktuelle Erhitzen Ihre knöcherne Struktur am Stumpf nachgeformt werden.

Gibt es bei der statischen Anprobe keine Einwände von KundInnen- oder VersorgungsmanagerInnen-Seite, gehen Sie noch im selben Termin zur dynamischen Anprobe über. Im Fall einer Beinprothese liegt der Fokus darin, wie Sie die Prothese während des Gehens ansteuern können und ob Veränderungen vorgenommen werden müssen, um das Gangbild bestmöglich an Ihre erhaltene Extremität anzupassen. Ist dies geschehen, können KundInnen mit dem Probeschaft für einige Tage nach Hause gehen und den Schaft im Alltag testen.

Sollten Sie während des Probetragens im Alltag feststellen, dass der Probeschaft Schmerzen verursacht, müssen Sie das den VersorgungsmanagerInnen unbedingt mitteilen. Denn anhand des Probeschaftes entsteht Ihr Definitivschaft, den Sie über eine längere Zeit tragen werden und mit dem Sie sich wohlfühlen müssen.

Der definitive Carbonschaft

Wenn Sie mit dem Sitz des Probeschafts zufrieden sind und auch die VersorgungsmanagerInnen nichts zu beanstanden hat, kann daraus der definitive Carbonschaft für Ihre endgültige, die „definitive“ Arm- oder Beinprothese, gefertigt werden.

Dafür wird der thermoplastische Probeschaft wieder mit Gips befüllt, um eine Positivform zu erhalten. Anhand des Positivmodells wird nun der definitive Schaft aus Carbon gefertigt.

Carbon zwischen Schichten für die Beinprothese

Das Carbon befindet sich zwischen zwei Schichten.

Im ersten Schritt wird das Positivmodell mit einer PVA-Folie isoliert. Danach wird das Carbon nach einem bestimmten Legeplan auf das Positivmodell gelegt. Dieser Legeplan ist genaustens auf Ihr Körpergewicht und Ihre Mobilität abgestimmt. Auf die Carbonschicht wird eine zweite PVA-Folie gezogen. Somit befindet sich das Carbon zwischen zwei PVA-Folie. Das ermöglicht den OrthopädiemechanikerInnen den nächsten Schritt: das Einfüllen der Harze.

Durch die beiden Schichten aus PVA-Folie kann das Carbon gleichmäßig vom Harz getränkt werden. Durch die Verbindung aus Carbon und Harz entsteht ein hochfestes Material, das den Definitivschaft bildet.

Nach der Aushärtezeit des Harzes entfernen die OrthopädiemechanikerInnen das Gipsmodell aus dem Inneren und schleifen den Carbonschaft anschließend in Form. Zuletzt bauen sie das Verschlusssystem in den Schaft ein.

Die Harze werden zwischen die Schichten gefüllt.

Harzbefüllung für den Prothesenschaft

Eine gleichmäßige Verteilung der Harze ist wichtig.

Der fertige Prothenschaft wird beschliffen

Wenn alles ausgehärtet ist, wird der Schaft beschliffen.

Entstehung der Prothese

Der Werkstoff Carbon wird als Standardwerkstoff bei allen definitiven Prothesenschäften verwendet. Das Gießharzverfahren, in dem Carbon verarbeitet wird, ist bei allen Prothesenschaftarten gleich. Dann geht es um die individuelle Auswahl der Prothesenpassteile, des Schaftsystems und ggf. auch eines Innenschafts.

Die Prothesenpassteile werden im ersten Schritt durch die Amputation vorgegeben, also davon, ob es sich um eine Beinprothese oder Armprothese handelt. Dann wird zwischen Oberschenkel- oder Unterschenkelprothesen bzw. Oberarm- und Unterarmprothesen unterschieden. Hierfür gibt es unterschiedliche Prothesenteile, die zur Art der Amputation passen.

Bei einigen Prothesenarten muss außerdem entschieden werden, ob Sie mechanische oder elektrische Prothesepassteile bekommen. Das hängt von unterschiedlichen Faktoren ab, die Sie bei Ihrem Vorgespräch ausführlich mit Ihren VersorgungsmanagerInnen besprechen.

Das Verschlusssystem wird im Schaft verbaut.

Das Verschlusssystem wird im Schaft verbaut.

Haftungssysteme für Ihre Prothese

Ebenfalls eine Entscheidung, die von individuellen Faktoren abhängt, ist die Auswahl des Haftungssystems. Das Haftungssystem bestimmt, wie der Schaft an Ihrem Stumpf befestigt wird. Bei rahm werden für die Beinprothesen beispielsweise Schäfte mit distalem Verriegelungssystem, Vakuumsysteme und Kontaktschafte hergestellt.

Beim distalen Verriegelungssystem befindet sich am Ende des Silikon-Liners, den Sie über Ihren Stumpf ziehen, entweder eine Schraube, Magneten oder eine Kordel. Diese verbinden sich mit dem Gegenstück des Verrieglungssystems, das im Boden des Schaftes verbaut ist.

Beim Vakuumschaft ist im Schaft ein Ventil verbaut, dass Luft entweichen lässt, aber keine neue Luft hineinlässt. So entsteht beim Anziehen ein Vakuum, das den Prothesenschaft am Liner befestigt hält.

Der Kontaktschaft wird, anders als die anderen beiden Schaftsysteme ohne Liner getragen. Auch hier gibt ein Ventil, das im Schaft verbaut ist. Mithilfe einer Anziehhilfe wird der Stumpf in den Schaft eingezogen. Dieses System macht sich die Haftreibung zwischen Schaft und der Haut zunutze.

Die Auswahl des Haftungssystems treffen Ihre VersorgungsmanagerInnen gemeinsam mit Ihnen zu Beginn Ihrer Versorgung. Manche Haftungssysteme können aufgrund der Anatomie Ihres Stumpfes nicht verwendet werden.

In der Armprothetik wird als Standard ein Silikonhaftschaft gefertigt, der aufgrund der Haftreibung zwischen Haut und Silikon fest mit dem Körper verbunden ist.

Außen- und Innenschaft für bestimmte Prothesenarten

Einige Prothesenschäfte werden zusätzlich zu dem Außenschaft aus Carbon mit einem Innenschaft aus einem thermoplastischen Kunststoff gefertigt.

Bei einem Oberschenkelschaft wird fast immer ein Innenschaft verwendet, dies bietet Ihnen im Alltag mehr Komfort am oberen Schaftrand. Bei einer Unterschenkelprothese machen bestimmte Voraussetzungen einen Innenschaft notwendig.

Das Handwerk hinter der Prothesenherstellung

Die Herstellung des Prothesenschafts ist ein wichtiges und spannendes Handwerk. Obwohl die Vorgänge fast immer gleich sind, ist das Ergebnis stets individuell.

Unser rahm Experte Fabian hat uns in die Werkstatt mitgenommen und die Herstellung der Prothese gezeigt.

Die Playlist finden Sie hier.

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Nach dem Aufbau der Prothese

Nach dem Gießen und Schleifen des definitiven Prothesenschafts wird Ihre Prothese mit den verschiedenen Komponenten zusammengesetzt.

Ist der Aufbau abgeschlossen, kommt es zur letzten Anprobe. Hier überprüfen Ihre VersorgungsmanagerInnen noch mal, ob alles richtig sitzt, und nehmen gegebenenfalls noch kleine Einstellungen an der Prothese vor. Damit ist die Fertigung der Prothese abgeschlossen und Sie können mit Ihrem Prothesenschaft nach Hause gehen.

Ihre rahm VersorgungsmanagerInnen bleiben aber darüber hinaus Ihre Ansprechpartner für alle Belange rund um Ihre Bein- oder Armprothese. So beispielsweise, falls sich Ihr Stumpf verändern sollte, oder auch bei anderen Dienstleistungen rund um Ihre Prothese. Dazu gehört die Versorgung mit 3D-Prothesencovern oder das Testen neuer und innovativer Prothesenpassteilen, die Sie bei rahm nach Absprache kostenlos und unverbindlich austesten können.

Sie haben außerdem die Möglichkeit in unseren protheofit Trainingscentren den richtigen Umgang mit Ihrer Prothese zu üben, sodass Sie sie im Alltag optimal nutzen können.

Vereinbaren Sie einen persönlichen Beratungstermin mit unseren OrthopädiemechanikerInnen!

Sie benötigen eine Prothese? Dann vereinbaren Sie einen individuellen Beratungstermin bei unseren OrthopädiemechanikerInnen Ihrer Nähe.

Kontaktieren Sie unsere Ansprechpartnerin Sabine Dworak. Sie kümmert sich um den ersten Austausch und stellt Kontakt zu den VersorgungsmanagerInnen her. Wir freuen uns auf Sie!

Tel.: 0 22 41 / 908 165

E-Mail: sabine.dworak@rahm.de