Heute treffe ich Melanie und um ehrlich zu sein, ich bin ganz schön aufgeregt. Wir kennen uns noch von dem Lip – Lymphsymposium von rahm Zentrum für Gesundheit GmbH, bei dem sie damals als Model mitgewirkt hat. Sie hat Lipödem im Stadium 2 und nach Ihrer zweiten Liposuktion ein sekundäres Lymphödem entwickelt. Im Alltag hat man sich etwas aus den Augen verloren, umso neugieriger wurde ich, als ich immer wieder von Melanies Abnehmerfolg hörte. Kurzerhand kramte ich meine Telefonliste durch und fand tatsächlich noch Ihre Nummer. Eine unverbindliche What’s App geht immer, dachte ich mir und daraus entwickelte sich ein erstes unglaublich spannendes und informatives Gespräch. Kurzerhand beschlossen wir, uns die nächste Zeit auf einen Kaffee zu treffen, um in Ruhe über Melanies Erfolgsrezept in Sachen gesunder Ernährung und Abnehmen mit Lipödem zu sprechen.

Wer bei mir zum Kaffee eingeladen wird, der bekommt normalerweise neben Kaffee stets eine kleine süße Leckerei. Direkt stellte ich mir die Frage, was man jemanden kredenzt, der gerade so konsequent seine Ernährung umgestellt hat. Immerhin hat Melanie seit Oktober 2020 bereits 25 Kg abgenommen und aus dem Vorgespräch wusste ich, dass sie dies nicht mit Kuchen geschafft hat. Bei mir klingeln direkt Ihre Worte im Ohr, dass Bananen im Zweifel und bei Heißhunger immer gern gegessen werden. Bananen habe ich im Haus und trotzdem zur Not einen kleinen Kuchen im Kühlschrank. Es klingelt, ein letzter Blick auf den leeren Tisch mit den zwei Wassergläsern, dann öffne ich die Türe und muss zweimal hingucken. „Wow“ Melanie sieht ganz verändert aus und strahlt über beide Ohren. Nach einem kurzen Austausch, in dem ich auch nochmal sicher gegangen bin, dass sie wirklich keinen Kuchen möchte, fängt sie an von Ihrem Abnehmweg zu berichten, welche Hürden auf sie zukamen, wie sich die Abnahme auf das Lipödem und ihrem Lymphödem nach Liposuktion auswirken und warum sie Verbote für Gift in einer Ernährungsumstellung hält.

Abnehmen mit Lopödem

Das Interview: Abnehmen mit Lipödem

(Ich) Melanie, lass Dir erst mal sagen, dass Du ganz verändert aussiehst und man merkt, dass Du Dich gerade sehr wohl fühlst. Du hast im Vorgespräch mitgeteilt, dass Du Dich an kein bestimmtes Ernährungskonzept hältst. Wie hast Du es dann aber geschafft so konsequent abzunehmen?

(Melanie lacht) Simone, ich danke Dir. Das hört man natürlich gerne und ich kann bestätigen, mir geht es gerade richtig gut. Ich bin sicher kein Paradebeispiel, was meine vorherigen Abnehmversuche betrifft. Du wirst es kennen, man beginnt voller Elan eine Diät und scheitert schon am nächsten Wochenende oder wenn man den Plan nur kurz unterbricht. Sport oder Spaziergänge sind mit mehr Gewicht natürlich auch mühsamer. Ganz ehrlich, ich hatte auch tausende von Ausreden, weshalb ich keine Zeit für Bewegung oder Kalorien zählen hatte und warum jede Diät bei mir nur scheitern konnte. So kam ich immer wieder in den alten Trott. Mit Lipödem abnehmen ist natürlich auch schwieriger, aber nicht unmöglich. Es ist der Wille, der sehr entscheidend für den Erfolg ist. Mein Kopf kennt sein Warum. Das und natürlich der nun sichtbare Erfolg helfen mir weiter dran zu bleiben.

(Ich) In dem beschriebenen Muster erkenne ich und auch sicher viele andere sich wieder. Was hast Du diesmal anders gemacht?

(Melanie) Angefangen hat bei mir alles mit einer 6-wöchigen Alkohol- und Zuckerpause. Ich esse 3 feste Mahlzeiten am Tag und habe dazwischen immer eine Pause von 5 Stunden. Essen nach 18 Uhr versuche ich weitestgehend zu vermeiden, damit das Verdauungssystem genug Zeit hat, die aufgenommene Nahrung zu verarbeiten und vor allem der Magen nicht mehr so belastet ist. Außerdem habe ich keine Süßigkeiten mehr im Haus und wäge ab, ob und wie viel ich von etwas essen kann. Wenn ich die Woche über konsequent auf mich geachtet habe, belohne ich mich freitags. Kennst Du das, wenn Du am nächsten Morgen aufwachst und fühlst Dich noch vollkommen aufgebläht? Dir ist schlecht, weil es am Vorabend zu viel war und du dadurch nachts Sodbrennen hast?

(Ich) Ja klar, wir essen meistens abends warm und auch wenn es oftmals leichte Gerichte sind, merke ich, dass es einfach zu viel des Guten war. Wir essen tagsüber aber nicht viel und haben abends entsprechend Hunger. Na gut, die kleinen Naschereien gegen den Heißhunger mal außen vor. Ich kann mir aber auch nicht vorstellen zukünftig konsequent alles zu wiegen oder aufzuschreiben. (Ich merke selber meine Ausreden und muss grinsen.)

(Melanie) Genau das meine ich. Das kam für mich auch gar nicht in Frage, wir sind ein 5 Personen Haushalt. Wenn jeder da etwas anderes möchte, bin ich neben meinen Beruf als Medizinische Fachangestellte nur noch mit Kalorien zählen und kochen beschäftigt. Ein vorgegebenes Ernährungskonzept kam deshalb überhaupt nicht in Frage. Viel mehr habe ich mich mit mir und meinen Bedürfnissen beschäftigt und mir aus allem das Beste für mich zusammengestellt.

Nudeln sind zum Beispiel egal in welcher Form überhaupt nicht gut für mich. Ich nehme unter aller Garantie zu und brauche richtig lange, bis dass ich diese Zunahme wieder weghabe. Gegen den Heißhunger zwischendurch esse ich im Notfall eine Banane und wenn es an manchen Tagen so richtig blöd läuft, auch mal drei. Ist doch allemal besser, als eine Tafel Schokolade.

(Ich schaue überrascht) Also isst Du niemals Nudeln? Ist Obst nicht auch mit Vorsicht zu genießen?

(Melanie) Mach Dich mal frei, von alle dem, was Du durch Diäten erlebt und gehört hast und schau was Dir langfristig hilft. Obst ist besser als Schokolade und natürlich esse ich auch Nudeln. Es gibt wie gesagt keine Verbote bei mir. Ich weiß ja dann, dass ich eben nicht so viel von dem besagten Lebensmittel essen kann. Verbote machen doch nur Heißhunger. Für den Notfall habe ich auch zuckerfreie Schokodrops zu Hause, die ich mir dann gerne schmelze und mit ungesüßten Cornflakes mische. Da gönne ich mir wohl eine Handvoll zwischendurch, wenn der Kopf nach Süßem ruft.

Abnehmen mit Lipödem

(Ich) Das probiere ich aus. Mit welchem Gewicht bist Du gestartet und was ist Dein Ziel?

(Melanie) Ich bin mit 118 kg gestartet. Ich habe mich auf einem Foto gesehen und mochte mich darauf einfach nicht leiden. Wohl gemerkt war das mein Höchstgewicht. Die meisten nehmen ja nach einer Liposuktion ab. Ich habe eben zu genommen. Mittlerweile wiege ich 25 kg weniger und fühle mich gut. Jedes Kilo zusätzlich ist toll, aber ich kasteie mich deswegen nicht. Mein Körper hat viel mitgemacht in den letzten Jahren und braucht auch seine Ruhe, um mit den Umstellungen zurecht zu kommen. Gewicht halten muss man auch erst lernen und wenn ich im Monat ein Kilogramm verliere, sind es in einem Jahr immerhin 12 kg. Alles noch besser, als wieder in alte Muster zu verfallen. Da möchte ich einfach nicht mehr hin und das halte ich mir jeden Tag vor Augen. Wunschgewicht, wenn man soweit denken darf ist 75 kg.

(Ich) Du hast es ja schon gerade angesprochen. Vor ein paar Jahren hattest Du zwei Liposuktionen, richtig? Nach der zweiten hast Du ein sekundäres Lymphödem entwickelt. Hat Dein Gewicht eine Auswirkung auf das Lipödem bzw. das sekundäre Lymphödem?

(Melanie nachdenklich) Na klar. Weißt Du die Liposuktionen sind kein Allheilmittel und vor allem kein Spaziergang. Bei meiner ersten Lipo vor 4 Jahren hatte ich einen Abszess, der sich so entzündet hatte, dass ich einen mehrwöchigen stationären Aufenthalt hatte. Im November 2017 hatte ich dann meine zweite OP und im Anschluss unbeschreibliche Schmerzen. Ich lag unendliche Stunden im Aufwachraum, weil meine Schmerzen nicht weniger wurden und ich schon die Höchstdosis an Medikamente bekam. Hier wurde im Anschluss das sekundäre Lymphödem festgestellt. Der ganze Heilungsprozess war leider nicht optimal und Stand heute kommt für mich auch keine Liposuktion mehr in Frage. Die operierten Stellen sind zwar besser, aber eben durch das sekundäre Lymphödem nicht schmerzfrei. Vielleicht denke ich anders darüber, wenn ich an meinem Zielgewicht bin. Das war aber nicht mein Abnahmegrund. Im Gegenteil, ich erreichte mein Höchstgewicht ja erst nach der letzten Liposuktion. Ich würde es mit dem Wissensstand von heute auch genau anders herum anpacken.

(Ich) Was meinst Du damit?

(Melanie) Wenn ich nochmal den Weg bestreiten könnte, dann würde ich erst an meinem Depotfett arbeiten und die Mittel der konservativen Therapie ausschöpfen, bevor ich nochmal über eine Liposuktion nachdenke. Vielleicht wären die Operationen dann auch leichter verlaufen, das ist jedoch rein spekulativ. Ich halte es im Nachhinein betrachtet nur für sehr sinnvoll, sich vorab mit der konservativen Therapie auseinanderzusetzen und so viel Gewicht wie möglich vor OP zu verlieren. Die Kompression wird mich auf Grund des entstandenen sekundären Lymphödem ein Leben lang begleiten.

(Ich) Da hast Du aber auch schon einiges erlebt. Ich kann Deine Aussage verstehen, dass Dein Körper zwischendurch Ruhe und Zeit braucht. Hat die Abnahme sich positiv auf Deine Lip-/Lymphödem-Beschwerden ausgewirkt?

(Melanie) Auf jeden Fall. Es ist ja nicht nur die Abnahme, sondern das Gesamtpaket. Ich trage konsequent meine Kompression und achte auf ausreichend Bewegung. Habe ich Dir eigentlich schon erzählt, dass ich über Tag auch viel trinke? Das ist unglaublich wichtig, so kann alles nicht Verwertbare vom Körper wieder ausgespült werden. Ich fühle mich insgesamt gesünder, fitter und soll ich ganz ehrlich sein?

(Ich) Bitte unbedingt, dafür sind wir hier und ich bin gerade sehr fasziniert, mit welch einer Leichtigkeit Du das meisterst.

(Melanie) Ach quatsch, ich habe auch Phasen, in denen es nicht läuft oder stagniert. Teilweise hat sich mein Gewicht wochenlang nicht verändert oder ist gestiegen. Im Gegensatz zu früher bin ich drangeblieben und hab die Waage verbannt. Ich mach mich doch nicht zum Sklaven davon. Sowieso messe ich mich viel lieber oder noch schöner, ich lasse mich vermessen für die neue Kompression, die ich wegen Umfangsveränderung benötige. Eine wunderbare Bestätigung der eigenen Leistung. Was ich aber sagen wollte ist, ich fühle mich durch die Balance zwischen ausgewogener Ernährung und Bewegung ausgeglichener. Es gab Phasen, da würde ich mich als durchaus depressiv bezeichnen. Das habe ich nicht mehr und vor allem auch viel weniger Schmerzen.

(Ich) Was übst Du denn an Sport aus? Hast Du da eine Empfehlung?

(Melanie) Simone, ich bin im Beruf bereits den ganzen Tag auf den Beinen. Die Praxis geht über zwei Etagen. Da ist neben Haushalt und Familie wenig Zeit für Sport. Eine Ausrede ich weiß, aber Kraftsport begeistert mich einfach nicht und ich war noch nie jemand, der sich gerne mit dem Thema Sport beschäftigt hat. Ich sammle einfach meine Schritte, in dem ich zu Fuß zur Arbeit gehe und meine Freizeit aktiv gestalte. Mindestens 10.000 Schritte sind mein Ziel.

(Ich) Hast Du Empfehlungen, wie man auf seine Schritte, also ausreichend Bewegung kommt? Gerade wenn man im Büro arbeitet, ist das ja oft nicht ganz so leicht.

(Melanie) Ach, da fällt mir einiges ein, was ich auch praktiziere. Stehen und auf der Stelle gehen beim Telefonieren, die Mittagspause draußen nutzen. Für den Kollegen an den Kopierer rennen oder den nächsten Kaffee holen. Nachmittags mit der Familie geht es dann auch nach draußen, anstatt vor dem Fernseher zu sitzen. Wir leben doch hier in der Eifel im Naherholungsgebiet mit vielen Seen und Wegen. Da findet sich immer ein Rahmenprogramm für die ganze Familie. Meine Familie ist sowieso mein größter Anker und meine beste Unterstützung. Alle gemeinsam ziehen wir an einem Strang und irgendjemand sagt immer mal zwischendurch, dass man gemeinsam eine Runde raus gehen könnte. So viel Unterstützung motiviert und ich gehe da gerne als Mutter, mit gutem Beispiel voran.

(Ich) Melanie, ich finde Deinen Weg sehr inspirierend und werde das ein oder andere sicher für mich mitnehmen. Ich fasse einfach mal kurz für mich zusammen und Du korrigierst mich, wenn ich etwas falsch verstanden habe.

Du hast Dir die Zeit genommen und geschaut, was zu Dir und Deinem Leben mit Familie passt. 3 Mahlzeiten mit 5-stündiger Pause sind perfekt für Dich. Dabei achtest Du, dass Du Dich ausgewogen ernährst, sprich wenn es Pommes gibt, besteht Dein Teller aus einer Handvoll Pommes und der Rest halt Salat oder Fleisch.

(Melanie) Genau. Ich esse alles, aber eben weniger und ich habe für mich selektiert, welche Lebensmittel mir guttun. Dabei brauche ich Struktur, nur eben meine eigene.

(Ich) Damit Du auch im Kaloriendefizit bleibst bewegst Du Dich viel in Deiner Freizeit, indem Ihr spazieren geht oder Du abwägst, ob man das Auto wirklich braucht und Du belohnst Dich freitags, wenn Du innerhalb der Woche konsequent warst.

(Melanie schmunzelt) Ich freue mich immer auf die Freitage. Da darf es dann auch mal ein Mettbrötchen mit einem leckeren Kölsch sein. So lange man sofort wieder die Kurve kriegt, kann man sich das meiner Meinung nach gönnen. Abnehmen beginnt wirklich im Kopf und ist unabhängig von Einflüssen wie Lipödem. Schon klar, das Lipfett kann nicht abgenommen werden, aber ich rede hier vom Depotfett, was jeder von uns hat. Wenn man sein Wofür kennt und es im Kopf verankert ist, dann fällt es ganz leicht.

(wir beide lachen)

(Ich) Möchtest Du noch etwas Motivierendes oder Wichtiges sagen?

(Melanie) Ich hoffe, dass ich ganz viele motivieren kann an sich zu glauben, denn wir alle haben es selber in der Hand und nicht das Lipödem. Ich bin so oft gescheitert und erst als ich auf meine Bedürfnisse gehört habe, konnte ich trotz Rückschlägen meine Ernährung weiter durchziehen. Gebt nicht auf. Feiert jedes Kilo oder hundert Gramm, die ihr weniger habt und haltet daran fest. Das ist doch immerhin schon 100 gr. weniger, als zu Beginn.

(Ich) Melanie, ich danke Dir für Deine Zeit und das ehrliche und offene Gespräch. Ich fühle mich gerade sehr motiviert und werde die ganzen Informationen nochmal sacken lassen. Mach weiter so und ich bin sehr gespannt, wie es bei Dir weiter geht und freue mich schon auf den nächsten gemeinsamen Kaffee.

Abnehmen mit Lipödem

Melanie fühlt sich sichtlich wohl nach ihrem 25kg Abnehmerfolg! Sie berichtet über ihre Erfahrung mit Ernährung, Liposuktion und Abnehmen mit Lipödem.

Ich hoffe, dass ich ganz viele motivieren kann, an sich zu glauben, denn wir alle haben es selber in der Hand und nicht das Lipödem.

Simone Schäfer Autorin Lymph

Autorin:
Simone Schäfer | rahm Botschafterin „Lymph“
Diagnose: Lipödem mit sekundärem Lymphödem im Stadium 2